Vertrackte Probleme - The And and Friends
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Vertrackte Probleme

Ausgangspunkt

Wer den Lösungsweg kennt, steht vor einer Aufgabe. Wer ihn zuerst erarbeiten muss, steht vor einem Problem. Hier geht es nicht um Aufgaben. Hier geht es um den Umgang mit Problemen, genauer: den Umgang mit vertrackten Problemen.

Es gibt Fragestellungen, die lassen sich gut eingrenzen. Die Gesamtsituation bleibt während ihrer Bearbeitung unverändert. Alle Beteiligten sind sich einig, mit welchem Arbeitsergebnis das Problem behoben ist und bei entsprechender Fachkenntnis können Lösungswege bis zum Abschluss der Fragestellung entwickelt und geplant werden. Begrenzte bzw. gemäßigte Probleme dieser Art sind die Domäne disziplinärer Experten (Spezialisten).

Anders ist es bei vernetzten bzw. vertrackten Problemen. Hier zeigt der Sachverhalt wenig Konstanz. Die Einflussfaktoren verändern sich. Die Wechselwirkungen sind zahlreich. Versuche der Eingrenzung erweisen sich als schwierig. Gefragt sind viele Kompetenzen kombiniert mit hoher Lern- und Veränderungsbereitschaft. Vertrackte Probleme sind die Heimat transdisziplinärer Experten (Generalisten). Es sind Probleme mit besonderen Eigenschaften:

Problem der Beschreibung

Die Schwierigkeiten der Problembearbeitung beginnen bereits bei der Problemerfassung. Entsprechend ihrer unterschiedlichen Vorkenntnisse und Erfahrungen, Interessen und Bedürfnisse besitzen die Beteiligten ihren jeweils eigenen Blick auf die Situation. Jede Perspektive hebt wichtige Aspekte hervor. Eine allein findet aber in der Regel nicht die Zustimmung aller Beteiligten. So wird die Problembeschreibung zum Verhandlungsergebnis.

Ursachen-Lösungs-Nähe

Oft wird angenommen, dass die Beseitigung einer Ursache identisch mit der Lösung des Problems ist. Vorzeitige Festschreibungen der Problemursache schränken jedoch die Lösungssuche ein. Selten ist eine Ursache allein der Grund. Deutlich öfter ist ein Netzwerk an Wechselwirkungen ausschlaggebend. Das bedarf der Beachtung. Dem entgegen steht meist das menschliche Verlangen, die Dinge schnell und fokussiert steuern zu wollen.

Dynamik der Lösungswege

Auch eine im Vorfeld große Zahl an Problembeschreibungen und Lösungsvorstellungen bietet keine Garantie für die Wahl des richtigen Weges. Zum einen besitzen vertrackte Probleme eine in weiten Teilen unbekannte Eigendynamik. Zum anderen werden erst im Bearbeitungsverlauf wichtige Einsichten gewonnen und neue Optionen erschlossen. Die Problembearbeitung fordert von allen Beteiligten eine hohe Beweglichkeit ein.

Grenzen der Bearbeitung

Die Arbeit an vertrakten Problemen endet selten mit einer abschließenden Lösung. Neue Rahmenbedingungen, fehlende Ressourcen, hoher Handlungsdruck oder veränderte Prioritäten können dafür ursächlich sein. Die vorerst genügenden Lösungen „nichten“ die angestrebten – zumindest temporär. Der damit verbundene Wechsel der Ziele zeigt: Ziele haben primär eine Koordinierungsfunktion. Sie sind kein verlässlicher Maßstab für Problemlösungen.

Bewertungsschwankungen

Ergebnisse lassen sich nicht objektiv beurteilen. Sie werden aus den Perspektiven der Beteiligten bewertet. Die kommen zu unterschiedlichen Auffassungen. Zudem unterliegen ihre Interessen und Bedürfnisse Veränderungen. Gleiches gilt für die Vergleichsgrößen, zu denen sie Ergebnisse in Beziehung setzen. Lösungen sind nicht grundsätzlich richtig oder falsch. Doch sie erscheinen mehr oder weniger passend im jeweiligen Augenblick.

Unzugänglichkeit von Folgen

Jede Intervention führt zu einer Vielzahl an größeren und kleineren Konsequenzen. Es kommt zu Überlagerungen mit anderen Entwicklungen. Die Entstehung kritischer Zustände ist möglich. Sie können unerwartete Effekte auslösen – umgehend oder mit zeitlicher Verzögerung. Es gilt: Die Folgen einer Intervention sind immer nur begrenzt absehbar. Die Erfassung und Beurteilung der Folgen ist immer nur partiell möglich.

Eingebundenheit des Problems

Jedes Problem lässt sich als Symptom eines anderen Problems auf tieferen oder höheren Ebenen interpretieren. So kann es zu Verschiebungen der Aufmerksamkeit kommen. Zum einen auf vorgelagerte Bedingungen, die das Problem hervorrufen und zum anderen auf einflussreiche Rahmenbedingungen, die eine Lösung behindern. Die in den Blick genommenen Wechselwirkungen beeinflussen die Wirksamkeitserwartungen der Beteiligten.

Einmaligkeit der Bearbeitung

Gelegentlich erscheint es, als ließen sich Vorgehensweisen aus früheren Zeiten oder anderen Bereichen einfach kopieren. Doch die erhoffte kognitive Entlastung und Vereinfachung hat schnell fatale Folgen, wenn im Schatten der Erleichterung den Besonderheiten in der Sache, bei den Beteiligten oder hinsichtlich des Kontextes nur noch wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dann schleichen sich neue Fallstricke und Arbeiten ein.

Unumkehrbarkeit der Eingriffe

Jede Berührung mit dem System verändert es. Es gibt keinen zweiten Versuch. Jede Kommunikation weckt Erwartungen. Interventionen schreiben sich in die Lerngeschichte der Beteiligten ein. Die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen. Bei aller Sehnsucht nach Fehlertoleranz, Verantwortliche bleiben mit der Veränderung verbunden, die sie eingeleitet haben. Wenn es schief geht, werden sie belastet und andere im Gegenzug entlastet.

Lernfähigkeit der Beteiligten

Lösungen liegen nicht in den Händen Einzelner. Lösungen bedürfen der Zusammenarbeit in unterschiedlichen Bereichen auf unterschiedlichen Ebenen. Sie sind Ergebnisse transdisziplinärer Kooperationen. Damit verbunden sind Momente der wechselseitigen Irritation. Es wird ein Weg beschritten, bei dem sich die Beteiligten neu sehen lernen und zur Annahme neuer Prämissen und zur Übernahme neuer Verhaltensweisen auffordern.

Ob in der Unternehmensführung, der Politik, der Informationstechnik, der Gesundheitsförderung, dem Umweltschutz, der Entwicklungshilfe oder auch dem Militär, in vielen Bereichen existieren Ansätze zum Umgang mit vertrackten Problemen. THE AND & FRIENDS erfasst diese Vorgehensweisen, wertet sie aus und macht die Ergebnisse und die daraus hervorgehenden Ideen in drei Ansätzen zugänglich: